Die achtköpfige Schlange

Erlebnisse und Erfahrungen regieren das Leben eines jeden einzelnen Individuums. Sei es ein Tier, ein Mensch oder Pflanzen. Sie alle haben Empfindungen und spüren Schmerz oder Freude.

Ein freies Tier, das schlechte Erfahrungen gemacht hat, wird zukünftig versuchen, diesen aus dem Weg zu gehen, um überleben zu können. Es hat sich diese Dinge gemerkt und wird sie nicht vergessen. Es ändert demzufolge sein Verhalten.

Ein gezähmtes oder gefangenes Tier kann solchen Dingen nicht entgehen. Bei schlechter Behandlung wird es aggressiv. Es versucht sich dem zu erwehren, wird misstrauisch, quält sich innerlich, wirkt apathisch und ängstlich.

Der Mensch ist ein Meister der Ignoranz. Er versteht die Warnungen nicht, die in etwa lautet: »Ich bin dir noch treu, egal was du, Mensch, mit mir anstellst. Aber gib acht, Mensch! Treib es nicht zu weit! Irgendwann ist es genug. Dann werde ich mich wehren.«

Doch es kann nicht fortlaufen. Dieses Recht wurde ihm aberkannt. An der Kette befestigt, in Käfige gesperrt, an der Leine gehalten oder im Haus festgehalten wird das Tier in die Enge getrieben und beißt letztendlich zu. Unverstanden seines Verhalten wird es zur Bestie abgestempelt und zum Wohle des menschlichen Lebens getötet.

Eine Pflanze lebt und wächst, wenn sie sich in ihrem Umfeld wohlfühlt. Nahrhafte Erde, angemessene Luft, sauberes Wasser und Schwingungen von Vogelstimmen, das Summen von Insekten, Musik und sanfte Stimmen sind ihr Wohlfühlprogramm.

Wird sie aus ihrer Heimaterde gerissen, bekommt ihre Luft nicht, wird mit unreinem Wasser begossen, kann die gewohnten Schwingungen nicht mehr wahrnehmen, ändert sie ihr Verhalten.

Im Gegensatz zu Tieren wird sie nicht aggressiv. Sie wird verkümmern, gar eingehen.

Nur weil kein Gehirn ersichtlich ist, heißt das noch lange nicht, dass diese Art von Lebewesen nicht denken kann. Sie reagieren und agieren auf eine andere Art.

Eine fleischfressende Pflanze startet ein elektrisches Signal und aktiviert ihr Klappmechanismus um eine Fliege zu fangen, die sich in diesem Moment auf ihr befindet. Andere Arten senden über ihre Wurzeln elektrische Impulse an den Rest der Pflanze. Sie geben Signale und Informationen weiter, wenn sie nach einer Durstzeit Wasser zur Verfügung haben oder wärmende Sonnenstrahlen, Licht und Schwingungen, die das Wachstum aktivieren.

Es ist ihre Denkweise des Überlebens. In extremen Situationen hieße das im Sinne der Pflanze: »Lieber sterben als ein verkümmertes Dasein!«

Und was ist mit dem Menschen? Nun, sie besitzen eine überaus komplexe Denkweise und Sprachvorrichtung, die es ihnen gestattet sich selbst und andere Lebensarten zu vernichten.

Erlebnisse und Erfahrungen, ob gute oder Schlechte umwirbeln ununterbrochen die Gedankenwelt eines jeden Einzelnen.

In früheren Zeiten waren es einzelne Taten und Eindrücke, die das Leben eines Menschen beeinflussten. Heute jedoch kann er sich vor lauter Wahrnehmungen, ständig neuen Informationen, schlechten oder guten Einflüssen nicht mehr retten.

Der Blick für das Wesentliche wird zunehmend beeinträchtigt. Empfindungen werden zu einem verwirrenden Gemisch, das sich mehr und mehr verheddert, und kaum noch auseinander zuhalten ist.

Und unsichtbar vor allen Augen schwimmt die achtköpfige Schlange durch das Meer der menschlichen Begierde, und sucht nimmersatt nach Macht. Richtig, acht Köpfe an der Zahl.

 

-       Der Erste steht für ʺVerlangenʺ.

-       Der Zweite für ʺGier und Neidʺ,

-       Der Dritte für ʺVersuchungʺ,

-       Der Vierte für ʺSchmerzʺ,

-       Der Fünfte für ʺEifersuchtʺ,

-       Der Sechste für ʺDurstʺ,

-       Der Siebte für ʺHungerʺ,

-       Der Achte für ʺHassʺ.

 

Jeden, den sie berührt, verseucht sie mit ihrem Gift. Unbemerkt kriecht es in die kleinste Ecke der Wahrnehmungen, spaltet die Ansichten und versiegelt die Meinungen.

Die Menschen lieben die Technik, interessieren sich für Computer und finden Autos und Motorräder toll. Sie eifern denen nach, die sich Gesellschaft nennen. Der Stolz und die Euphorie nach Materiellem machen sie blind. Wahrlich, alles zeitgemäß.

Angst packt sie! Die Angst, nicht dazuzugehören. Angst zu versagen und Angst alles zu verlieren.

Manipuliert rennen sie ausdruckslos hinter dem scheinbaren Licht her. Der lange Schatten der Schlange verbirgt das Dunkel, gaukelt ihnen den Glanz vor, der sich vor ihren Augen auftut.

Die Menschen erkennen nicht wie ihnen das Gift der Schlange schleichend, lautlos die Kraft nimmt, sie schwächt. Sie sehen nicht mehr den Glanz, dem sie hinterherhetzen.

Grau in grau verläuft ihr Leben im Dasein der stärker werdenden korrupten Gesellschaft.

Der Grat der Gegensätze ist heutzutage derart dünn geworden, dass man nichts mehr unterscheiden kann. Nur weil man der Gesellschaft, dem Umfeld gefallen möchte oder muss?

Es ist die Schlange der Begierde und Manipulation, die die Menschen antreibt.

Eine Schlange, mächtig und verführerisch, losgelassen von der Eliten Kraft, den Machthabern dieser Welt. Jenen gierigen Profithaien und ihren wölfischen Organisationen.

Und die Menschen, die sogenannte Gesellschaft machen das, was ihnen unermüdlich eingeimpft wird.

Sie alle schwimmen willensschwach mit dem Strom, schwimmen hinter Etwas her, das unsichtbar ist und sich nicht greifen lässt.

Sie suggerieren sich ein, dass dies der Weg mit dem geringsten Widerstand ist. Starr vor Angst, darin unterzugehen, lassen sie sich treiben und merken nicht wie ihre Kraft mehr und mehr schwindet, wie ihr vermeintlicher, ach so toller Lebensraum enger, ja sogar zum Gefängnis wird.

Stumpfsinnig geht jeder ohne Freude, ohne ein Lachen, ohne Leidenschaft und ohne Liebe, seiner Sache nach. Was bleibt, ist das Streben nach purem Egoismus.

Ohne Abscheu lachen die Menschen über Sachen, obwohl man darüber weinen müsste.

Sie zeigen sich über Dinge glücklich, dergleichen man darüber traurig sein müsste.

Sie freuen sich über manchen Toten, obwohl viel Leid dahinter steckt.

Sie lästern und hetzen über andere Menschen und reiben sich gegenseitig auf, dabei wäre ein Maß an Respekt und Akzeptanz die bessere Variante.

Sie führen teure Kriege und lassen andere verhungern, obgleich Frieden viel billiger ist und alle satt werden könnten.

Sie töten unzählige Arten von Lebewesen, und bedenken nicht das ihr Leben unser Leben ist.

Sie gieren nach Ressourcen für ein angenehmeres Dasein und ignorieren die Warnungen der Mutter Erde.

Es ist das sprühende Gift dieser Schlange, die die Menschen ihre Wahrnehmungen zum Wesentlichen nicht mehr erkennen lässt.

 

Und sie wird solange durch die Welt schlängeln, hypnotisierend neue Opfer suchen, fetter und größer werden, sich höhnisch an eurem Leid ergötzen und an euch nähren, bis es jemand wagt, ihr die acht Köpfe der Begierde abzuschlagen.

 

Was ich mittlerweile zu bezweifeln wage. Viel wahrscheinlicher ist es, das der größte Teil von über 7.128 Milliarden Menschen, die in diesem Moment auf der Welt leben, sich weiterhin dem Ruf jener Schlange beugen. Ihr ohne jede Vernunft hinterher eilen, um ein Stück des Glanzes abzubekommen, den sie ihnen vorgaukelt und Stück für Stück vernichten sie sich und ihre Heimat.

 

Sie sind kurz davor! Der Tropfen, der auf den heißen Stein fällt, schwebt mittlerweile darüber.

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