Vermenschlicht, Unverstanden, Ungewollt

Rusti, so hieß der Australien Shepherd, der mir und meinem Hund entgegenkam. Schon von Weitem bemerkte ich den ungestümen Gesellen, der einfach nicht auf sein Frauchen hören wollte. Ich muss gestehen, ich hätte ihre Fistelstimme auch nicht beachtet. Zwischen uns eine wenig befahrene Straße, die jedoch trotz Baustelle einige Fahrer zum schnelleren Fahren verleitete. Ich blieb stehen, rief Lucky schon vorausschauend zu mir und wartete. Meine Ahnung bestätigte sich. Im rasanten Lauf überquerte der junge Rüde die Fahrbahn und blieb bei uns stehen. Und wir kannten den Hübschen schon. Sein Frauchen kam hinter ihm her. Ihr Gesicht sprach Bände. Wütend, irgendwie verbittert und zugleich beschämt, in ihrer rechten Hand die Lederleine haltend. Schnaubend blieb sie nun einige Schritte vor uns stehen und rief erneut ihren Hund. Bis dahin sah ich richtiges Verhalten, außer vielleicht jene hohe Stimme, die in Sätzen den Hund zu sich rief. Sätze - welcher Hund, welches Tier überhaupt versteht das? Dann aber runzelte ich schon die Stirn, als der Hund in geduckter Haltung und eingezogenem Schwanz auf sie zu schlich. Sie packte den Hund am Halskracken, zog ihn an sich und schlug … mit der Leine zu.

»Halt! Machen sie das nicht!« sagte ich trotz aufkommender Wut im Bauch ganz ruhig zu ihr. Mein Hund legte die Ohren an und stellte sich weiter abseits. Die Frau schaute mich entsetzt an. So ungefähr – die wagt es zu mir „Halt“ zu sagen? Dabei ließ sie ihren Rusti los, der sofort zu mir gelaufen kam und sich hinter mich stellte. Ich schaute den Hund kurz an. Mir kam es so vor, als ob er Danke sagte, dann wandte ich mich wieder seinem Frauchen zu. »Tun sie das bitte, bitte nie wieder.«

»Der versteht es aber nicht anders. Ich habe ihn gerufen und er kam nicht.«

»Ich verstehe ihre Angst um die Straße«, sagte ich, »aber das, was sie eben taten ist, keine Lösung. Er bekommt nur noch mehr Angst vor ihnen vor dieser Leine. Er wird dadurch immer wieder ausbüxen, sobald er merkt das, was falsch ist. Er war doch letztendlich zu ihnen gekommen. Sie hätten ihn an die Leine nehmen müssen und nichts weiter sagen dürfen. Diese Ignoranz wäre schon Strafe genug gewesen.«

»Hach, der lacht doch darüber. Der versteht es nicht anders«, wiederholte sie und versuchte sich in weiteren suspekten Ausreden. Na super, dachte ich, wieder jemand der seine Aggressivität an einem Tier auslässt und meint der Hund müsse alles verstehen und wäre selbst schuld daran. Wir gingen ein wenig zusammen und ich erklärte, redete und gab Tipps. Ich spielte sogar mit beiden Hunden. Ich erkannte die Unausgeglichenheit des jungen Rüden, die Unterforderung eines Hütehundes. Sie jedoch tat nichts. Mir fiel irgendwie eine gewisse Gleichgültigkeit auf. Nach über einer Stunde trennten sich dann doch unsere Wege. Zuvor jedoch sagte und bat ich noch einmal eindringlich den Hund nie mehr zu schlagen. Sie bedankte sich für alles, nahm ihren Rusti an die Leine und ging entgegengesetzt von dannen. Nach einer Weile schaute ich mich um, weil der Hund bellte. Und mir blieb die Spucke weg. Der Hund biss in die Leine, zerrte das Frauchen herum, bellte auffordernd und sie nichts anderes tuend, schlug mit dem losen Ende der Leine zu. War es Hilflosigkeit ihrerseits? Oder war es sogar was anderes, was tiefgründigeres, vielleicht Unwohlsein mit dem Hund an der Seite? Man kennt die Hintergründe nicht, trotzdem rechtfertigt nichts solches Verhalten. Wer ist eigentlich gestörter? Ich war zu weit entfernt, um nochmals einzugreifen. Kopfschüttelnd drehte ich mich dann zu meinem Lucky um, der das wohl auch zu beobachten schien.

 

So etwas ist kein Einzelfall. Mir begegnen ständig Menschen mit Vierbeinern, die meinen, so oder so ähnlich zu handeln. Und, ich versuche immer und immer wieder den Leuten zu erklären, dass nicht die Hunde schuld an der für sie aussichtslosen Lage sind. Nein, es ist der dazugehörige Mensch, der schuld ist. Wundert es dann einen, wenn unsere lieben Haustiere plötzlich ein anderes Verhalten an den Tag legen, als jenes was von ihnen erwartet wird?

Gerade in solchen Augenblicken denke ich manchmal an den Film ʺDer Aufstand der Tiere­.

 

 

Ich wollte mit diesem erzählten heutigen Erlebnis mein Unverständnis gegenüber solchen Menschen, die ihre Wut, ihre Hilflosigkeit, ihre Verbitterung etc. an ihrem ʺtreuen Gefährtenʺ auslassen, mal einfach Luft ablassen. Ich könnte noch über viele solcher Abscheulichkeiten berichten.

 

In diesem Sinne - achtet und respektiert alles Leben um euch … es lohnt sich.

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